„Hier bin ich“ – Ausstellung

„Hier bin ich“ – Geflüchtete stellen in der Versöhnungskirche aus.
   
 Ab dem 23.09 17 ist die Versöhnungskirche in Oberesslingen nicht nur
Gotteshaus, sondern
auch ein Ort der künstlerischen Begegnung. Unter dem Titel „Hier bin ich“
werden Collagen von Geflüchteten der Unterkunft Schorndorfer Straße
ausgestellt. Die Werke entstanden unter der Betreuung der Künstlerin Heidi Graf
und der Engagierten des Freundeskreises Flüchtlinge Oberesslingen.
Die in den Collagen unterschiedlich verwendeten Elemente aus Symbolen und
Zeichen sollen dem Betrachter ermöglichen, eine gemeinsame Sprache zu
erreichen. Teil der Ausstellung sind auch Portraits, die Heidi Graf von den
dreizehn Teilnehmern in Grafit gezeichnet hat.
Die Ausstellung startet mit einer Vernissage am Samstag, dem 23.09.2017 um
19.00 Uhr mit Musik und einer Performance. Die Ausstellung endet mit einer
Finissage beim Erntedankgottesdienst am 08.10.2017 um 11.00 Uhr.
Siehe auch angehängten Flyer!
Öffnungszeiten Mo – Do von 8.30 bis 13.30 Uhr.

1 Jahr Katzenäcker-Unterkunft

1 Jahr genau ist es jetzt her, dass in den neugebauten Holzhäusern in den Katzenäckern knapp 100 Flüchtlinge eingezogen sind. Seitdem gab es viele neue Entwicklungen, die auch unsere Arbeit im Freundeskreis Flüchtlinge prägen. Eins aber ist gleichgeblieben: es gibt eine große Zahl an Menschen aus der bürgerlichen und kirchlichen Gemeinde, die sich für die Flüchtlinge engagieren. Vor kurzem haben wir nachgezählt: es sind über 50 Aktive, die regelmäßig in einem Team des Freundeskreis Flüchtlinge mitarbeiten. Und da sind diejenigen, die zwar nicht regelmäßig dabei sind, aber auf Anfrage gerne mithelfen, noch gar nicht mitgezählt. Darüber staune ich immer wieder, denn in vielen anderen Bereichen ist es gerade sehr schwer, Ehrenamtliche zu finden. Für die Flüchtlinge ist diese Einsatzbereitschaft eine große Hilfe und für mich als Ehrenamtliche ist sie ermutigend. Ich merke, dass ich in so einer Umgebung, in der die Menschen aufgeschlossen für einander da sind, sehr gerne lebe.

Was hat sich geändert im Verlauf des Jahres? Die Sprachkurse haben Veränderungen besonders deutlich zu spüren bekommen. Da die deutsche Sprache ja ein Schlüssel zur Integration ist, haben wir zu Anfang ein breites Angebot an ehrenamtlichen Sprachkursen aufgestellt. Inzwischen haben aber die meisten der jüngeren Asylbewerber Schulplätze bekommen, manche andere bekamen die Möglichkeit, professionelle Kurse z.B. an der Volkshochschule zu besuchen. Auf diese Weise fielen in unseren Sprachkursen viele Teilnehmer weg, und das Team musste sein Programm umstellen. So wird inzwischen oft Nachhilfeunterricht gegeben. Außerdem wenden sich viele Flüchtlinge mit ihren Alltagsanliegen (z.B. wenn ein Behördenbrief kommt) an ihre Sprachhelfer, so dass inzwischen auch viel Beratung und Begleitung stattfindet.

Auch das Aufgabenfeld der Alltagsbegleitung hat sich stark weiterentwickelt. Wenn es am Anfang vor allem darum ging, den Asylsuchenden Orientierung in einer fremden Umgebung zu geben, stehen inzwischen Fragen des Asylverfahrens sowie berufliche und soziale Integration im Mittelpunkt. Ein wichtiger Schritt im Asylverfahren ist die Anhörung, wenn die Flüchtlinge ihre persönlichen Fluchtgründe vor den Entscheidern des Bundesamtes schildern sollen. Vor diesem Termin sind die Asylsuchenden sehr aufgeregt, denn ihre Zukunft in Deutschland hängt davon ab. Wann immer es geht, begleitet Ehrenamtliche die Flüchtlinge zu diesem Termin. Die Begleiter können zwar auf die Anhörung keinen direkten Einfluss nehmen, aber mit dabei zu sein ist schon viel wert. Wenn es eine positive Entscheidung über den Asylantrag gibt, und die Flüchtlinge bleiben dürfen, kommen neue Herausforderungen. Denn nun gilt es, eine Wohnung oder ein Zimmer zu finden und eine Arbeits-oder Ausbildungsstelle. Die Bereiche Arbeit und Wohnung sind harte Brocken für die Flüchtlinge und uns Ehrenamtliche und wir versuchen uns mit den anderen Esslinger Freundeskreisen und öffentlichen Hilfsangeboten zu vernetzen, um hier weiterzukommen.

Längst nicht alle Asylanträge werden anerkannt. Bei uns in der Unterkunft haben z.B. afghanische Flüchtlinge eine Ablehnung erhalten, und leben nun in der Angst, abgeschoben zu werden. Die meisten haben mit Hilfe eines Rechtsanwalts Klage gegen die Entscheidung erhoben. Die Hilfe eines Rechtsanwalts in Anspruch zu nehmen ist ihr gutes Recht, doch aus finanziellen Gründen ist es für die Flüchtlinge oft fast nicht machbar. Darum arbeitet der Freundeskreis gerade an einer Konzeption für einen Rechtshilfefonds. Für diese Aufgabe (wie auch weitere Themen) haben wir inzwischen professionelle Verstärkung erhalten. Sankt Albertus finanziert eine 20%-Stelle zur Unterstützung ehrenamtlicher Flüchtlingsarbeit hier in Oberesslingen.

Es gibt auch Aufgabenfelder im Freundeskreis, die gleichgeblieben sind. Beliebter Treffpunkt und Herzstück aller Angebote war und ist das Begegnungscafé immer mittwochs von 17.00 -19.00 Uhr in der Unterkunft. Die Flüchtlinge genießen es, aus ihren Zimmern herauszukommen und hier bei leckerem Gebäck und Getränken sich mit anderen zu treffen. Wer ein Anliegen hat, findet hier sicher den geeigneten ehrenamtlichen Ansprechpartner. Auch die Ehrenamtlichen selbst, die ja in vielen verschiedenen Teams arbeiten und sich oft untereinander gar nicht sehen, nutzen das Café als Treffpunkt, um sich auszutauschen. Etwas nachgelassen hat der Besuch aus der Nachbarschaft und der Gemeinde. Dazu wollen wir Sie gerne wieder einladen. Auch wer keine Zeit hat, irgendwo mitzuarbeiten, kann einfach aus Interesse mal vorbeischauen. Die Flüchtlinge freuen sich, ihre Deutschkenntnisse zu zeigen und lassen sich gerne in Gespräche verwickeln. Oder aber Sie sprechen einfach einen der Ehrenamtlichen an, und lassen sich über die Situation in der Unterkunft erzählen. Dafür ist das Begegnungscafe da und wir freuen uns, wenn Sie kommen. Übrigens: bis jetzt musste das Cafe keinen Cent Kostenerstattung einreichen. Jede Woche aufs Neue finden sich engagierte Menschen, die Selbstgebackenes mitbringen oder mit Geldspenden den Getränkevorrat sichern. Das ist klasse! Herzlichen Dank.

In der Sportgruppe wird weiterhin fleißig gekickt. Auch die Teams der Kleiderkammer und der Fahrradwerkstatt sind weiterhin aktiv. Zwar haben diejenigen Flüchtlinge, die schon länger da sind, inzwischen eine Grundausstattung, aber Fahrräder müssen repariert und Kleidung erneuert werden. Außerdem kommen auch immer wieder neue Flüchtlinge dazu. So geht auch diesen Teams die Arbeit nicht aus und sie freuen sich weiterhin über Sachspenden oder Mitarbeit.

All die neuen Entwicklungen sind eine große Herausforderung in unserem Freundeskreis, sowohl für den Lenkungskreis wie auch für die einzelnen Ehrenamtlichen. Sicher war es für manche Engagierte im Sprachkurs eine persönliche Enttäuschung, als viele Flüchtlinge plötzlich wegblieben und es so aussah, als würde das Engagement gar nicht gebraucht. Dabei wird Engagement im Flüchtlingsbereich immer gebraucht, nur die Aufgabenfelder ändern sich eben. Damit wir als Freundeskreis uns besser darauf einstellen können, was im nächsten Jahr auf uns zukommt, planen wir im Herbst eine Zukunftswerkstatt. Wenn sich aus diesem Treffen neue Schwerpunkte und Teams entwickeln, werden wir sicher darüber berichten, denn das wird eine gute Möglichkeit sein, neu bei uns mit einzusteigen. Bis dahin ganz herzlichen Dank für all die Unterstützung, die wir bislang erlebt haben!

Aktivitäten

Begegnungscafé

  • regelmäßig mittwochs
  • Wohnheim Katzenäcker, Schorndorfer Str. 110, 1. Stock, Gemeinschaftsraum
  • Vorbereitungen ab 16:30 Uhr
  • Start um 17:00 Uhr (bis ca. 19:00 Uhr)

Das Begegnungscafé ist offen für alle. Im Mittelpunkt steht die Möglichkeit zu Kontakt und Begegnung. Bei Kaffee, Obst und Kuchen treffen sich Flüchtlinge, Nachbarn und Ehrenamtliche um sich kennen zu lernen, auszutauschen, Spiele zu spielen. Und ganz nebenbei lernen die Flüchtlinge, ihre Deutschkenntnisse im Gespräch anzuwenden.


Fahrradwerkstatt

Jeweils am Mittwoch, 18.00Uhr findet in der Unterkunft Katzenäcker die Reparatur und Ausgabe der Fahrräder in der Fahrradwerkstatt statt.