Bericht über die Seebrücke-Aktion

Aktion SEEBRÜCKE am Bürgerfest

Uns geht es im Freundeskreis Flüchtlinge nicht nur um diejenigen Flüchtlinge, die es bis hierher nach Esslingen geschafft haben, sondern auch um die Menschen, die auf dem Weg nach Europa sind. Darum haben wir uns zusammen mit anderen Gruppen und engagierten Menschen aus ganz Esslingen am bundesweiten Aktionstag der SEEBRÜCKE beteiligt. Auch die Kirchen, Caritas und Diakonie waren mit dabei. Dass dieser Aktionstag mit dem Bürgerfest in Esslingen zusammenfiel, war Zufall, hat uns aber viel Öffentlichkeit verschafft.
Die Aktionsgruppe SEEBRÜCKE setzt sich für die Seenotrettung am Mittelmeer ein und wirbt dafür, dass sich möglichst viele Städte bereit erklären, als sogenannte „sichere Häfen“ gerettete Flüchtlinge aufzunehmen. Momentan stirbt jeder 6. Flüchtling bei der Überquerung des Mittelmeers. Diese Zahl ist unfassbar. Die öffentliche staatliche Seenotrettung ist stark reduziert worden und private Rettungsboote werden an der Ausfahrt oder Landung gehindert, bzw. bekommen Strafverfahren, wenn sie es trotzdem tun.
Auf diese Zustände haben wir mit einem Infostand auf der Agnesbrücke aufmerksam gemacht. Auf einem Schlauchboot, wie es auch von Flüchtlingen genutzt wird, wurden vom Rossneckar aus Reden gehalten. Und es gab eine Postkartenaktion an den Bundestag mit dem Aufruf, die Politik zu ändern.
Asylpolitik ist ein schwieriges Thema ohne einfache Lösungen. Was können wir dazu beitragen, dass Menschen erst gar nicht fliehen müssen? Wie können wir die Aufnahme von Flüchtlingen so regeln, dass kein Aufnahmeland überfordert ist? Was heißt eigentlich „Überforderung“? Dazu gibt es unterschiedlichste Meinungen und Empfindungen. Wie können die europäischen Länder gemeinsam solidarisch handeln, ohne die Küstenländer Italien und Griechenland im Stich zu lassen? Davon scheinen wir meilenweit entfernt. Aber all diese offenen Fragen dürfen doch nicht dazu führen, dass gesagt wird: solange wir bezüglich der Aufnahme keine Einigung erzielt haben, lassen wir die Flüchtlinge auf dem Meer eben sterben. Obwohl Notrufe eingehen. Obwohl Rettungsboote vorhanden sind. Das widerspricht so aller Mitmenschlichkeit und auch allem christlichen Grundverständnis! Dies empfinden viele Esslinger*innen so. Darum hat unsere Aktion auf dem Bürgerfest, neben mancher kritischen oder fragenden Stimme, auch sehr viel Zustimmung erfahren.
Stefanie Eichler
Freundeskreis Flüchtlinge Oberesslingen